Cursus Lektionstexte

Cursus Lektion 35 | Übersetzungstext | Rom brennt

Kaiser Nero wandelte mit einigen Gefährten durch den Königspalast und hielt den anderen, die zuhörten, einen Vortrag über griechische Tragödien. Dann wurden griechische Verse vorgetragen, als Nero plötzlich zum Fenster herantrat. Als er zur Stadt herabblickte, sagte er: „Meine Augen werden durch diesen Anblick sehr beleidigt. Wie hässlich sind diese alten Gebäude, wie eng diese Gassen und Straßen!“ Als einer von den Gefährten rezitierte: „Nach meinem Tod soll die Erde in Flammen aufgehen!“, sagte Nero: „Ja sogar zu meinen Lebzeiten!“ Und tatsächlich wurde Rom wenige Tage darauf durch ein Feuer verzehrt. Weil die Flammen sechs Tage und sieben Nächte hindurch wüteten, ergriff das Feuer fast alle Teile der Stadt und es bestand Gefahr, dass die ganze Stadt durch das Feuer zerstört wurde. Nero aber betrachtete in allen Nächten von einem hohen Turm aus die untergehende Stadt und besang – von der Schönheit der Flammen erfreut – den Untergang Trojas. Aber das Volk hatte nicht alle lebensnotwendigen Dinge, weil es so lange und so heftig durch diese Katastrophe niedergedrückt wurde. Deshalb fürchtete Tigellinus, ein Freund von Nero, dass ein Volksaufstand erwogen wurde. Auf sein Anraten öffnete Nero seine Gärten, errichtete Notunterkünfte, verminderte den Preis für Getreide. Obwohl sich die Bürger über die sehr hohe Not laut beklagten, befahl er trotzdem, dass ihm ein goldenes Haus gebaut würde. Aus diesem Grund kroch das Gerücht durch die Stadt, dass das Feuer auf Veranlassung Neros gelegt worden sei. Deshalb bemühte sich der Kaiser, den Verdacht von sich wegzulenken und die Schuld für das Feuer zu den Christen hinzuwenden. Er verurteilte diese zum Tode und versah sie in seinen Gärten mit grausamen Strafen.